Velotour von Simon Degelo

Zürich-Nairobi

Reiseberichte

7

Als ich zum letzten mal geschrieben habe, war ich in Addis Abbeba. Das ist ganz schoen lange her. Seither bin ich weitere 2000 km gefahren und inzwischen in Mbita angekommen. Ja. Mbita, nicht Nairobi. Ich habe selbst auch erst vor einem Monat erfahren, dass ich nicht in einer Weltmetropole, sondern in einam Fischerdorf stationiert sein werde.

Aber mal der Reihe nach: Ich bin mit den beiden Mexikanern bis Moyale, der Grenzstadt zu Kenia gefahren. Dort trennten sich unsere Wege. Sie verluden ihre Velos auf einen Lastwagen, waerend ich die Wueste aus eigener Kraft ueberwinden wollte. Waehrend ich einen Ruhetag einlegte, um Kraft zu tanken ueberqeurten sie die Grenze zu Kenia.

Als ich tags darauf, schwer bepackt mit Wasser und Essensvorraeten loslegen wolte, stoppte mich die Poizei schon kurz nach der Grenze. Sie sagten mir, ich duerfe nicht weiterfahren und muesse mein Velo verladen, da es viel zu gefaerlich sei. Anscheinend gibt es hier immer wieder Ueberfaelle. Es dauerte schiesslich noch einen Tag, bis ich mich ueberwinden konnte, mein Velo auf einen Laster zu laden. Vermutlich war es wirklich besser, nach den Geschichten, die mir der Polizist erzaehlt hatte, haette ich wohl nicht mehr gut schlafen koennnen!

So fuhr der Lastwagen los, mit einer Ladung Bohnen, einem Duzend Afrikaner und einem Musungu (Weisser auf Suaheli) beladen. Wir sollten noch am selben Tag in Isiolo ankommen, von wo ich dann wieder auf meinen eigenen Raedern fahren wollte. Es ging aber nicht lange, da platzte ploetzlich der Pneu. Also hiess es anhalten und Rad wechseln. Das Ersatzrad sah aber nicht viel besser aus. Er hatte schon ein faustgrosses Loch, wo der schlauch herauslugte. In der Folge mussten wir immer wieder anhalten, um den Schlauch zu flicken. Zum teil standen wir stundenlang im Nirgends - und dabei hatte mir doch der Polizist weissgemacht, dass hier ueberall Rauber lauern!

Ich war froh, als ich in Isiolo endlich wieder auf meinen eigenen zwei Raedern rollte. Von Plattfuessen war ich auch in der Folge nicht verschont, doch wenigstens konnte ich diese selber flicken!

Nach dem ruhigen Etiopischen Hochland, dessen Verkehr hauptsaechlich aus Fussgangern und Lasteseln besteht, waren Kenias Strassen ein ziemlicher Schock! Nicht nur dass hier auf der linken Seite gefahren wird. Hier gilt das Recht des Staerkeren und ein Stossdaempfer scheint mehr wert zu sein, als ein Radfahrer.

Als erstes kaufte ich mir einen Rueckspiegel. Damit konnte ich wenigstens abschaetzen, wie nahe die Lastwagen kamen und mich noetigenfalls von der Strasse retten.

Zahlreichen Schlagloechern und Hupattacken zu trotz erreichte ich bald Kampala - die Ugandische Hauptstadt. Dort campierte ich im "Backpackers-Hostel" um nach etlichen Tagen wieder einmal ein paar Musungus zu Gesicht zu bekommen.

Ziemlich spontan entschied ich mich von dort aus einen Abstecher zum Morchinson-Nationalpark zu machen. Als ich nach anderthalb Tagen dort ankam, stoppten mich die Parkwachter natuerlich an der Eeingansporte - Viel zu gefaehrlich:"The Lions will eat you!". Also wartete ich bis ein Fahrzeug mich mitnahm. Ich hatte Glueck und wurde schon bald in der Lodge im Park abgesetzt. Nur mein geliebtes Velo musste draussen bleiben. Nach den drei Monaten, die wir zusammen verbracht hatten, war die folgende Nacht etwas einsam.

Im Park machte ich eine Bootssafari zu den Morchinsonfaellen. Die Wasserfaelle waren Eindruecklich: Das Gesamte Volumen des Nils faellt dort durch eine schmale luecke ueber 50 Meter in die Tiefe! Mindestens so Spektakulaer waren aber auch die vielen wilden Tiere: Nilpferde und Krokodile en masse, aber auch Elephanten und Wasserbueffel habe ich gesehen.

 

Ich wollte nicht den selbeen Weg zurueck fahren, also nahm ich eine Abkuerzung direkt nach Masaka - Zumindest sah es auf meiner Karte aus, als sei es eine. Vielleicht war es tatsaechlich etwas kuerzer, aber bestimmt nicht schneller! Hunderte von Kilometern "Dirt Road" und dazu setzte auch noch der erste Regen ein - die Regenzeit beginnt anfangs April!

Irgendwie kam ich dann schliesslich doch noch in Masaka an und von dort war es nicht mehr weit nach Bukoba in Tanzania.

Bukoba ist ein reizendes kleines Staedchen am Lake Victoria. Bunte verzierte Haeuser, die aussehen wie das Modell einer englischen Kolonialstadt.

Was mir weniger gefiel, war dass mir dort meine Radtaschen gestohlen wurden. Am Abend, als ich die Faehre nach Mwanza nehmen wollte verschwanden sie ploetzlich. Ich liess sie nur einen Moment aus den Augen da hatten sie schon Beine bekommen.

Ich versuchte es positiv zu sehen - immerhin etwas Balast weniger und ich konnte die letzten Tage meiner Reise auch ohne den Bewaeltigen. Aber mein geliebtes Radtricot und mein Tagebuch, vollgestopft mit Reiseerinnerungen, schmerzten schon sehr!

Nach der naechtlichen Ueberfahrt nach Mwanza, die ich schlafend verbrachte, war es nicht mehr weit bis an mein Ziel. Nach vier monaten auf Achsen war es ein komisches gefuehl zu wissen, dass meine Reise nur noch wenige Tage dauerte. Um so mehr genoss ich die verbleibenden Tage.

Am vierten Tag kam ich gegen Abend in Mbita an und staunte ueber die schoene Umgebung: Das Doerflein liegt auf einer Landzunge am Victoriasee. Runderum viele kleinere und groessere Inseln und eine Menge bunte Fischerboote.

Der icipe (International Center for Insects Phisiology and Ecology)-Campus, wo ich mein Praktikum mache, liegt gleich beim Dorf, aber ich wollte zuerst ankommen und dort nicht verschwitzt und in Velohosen aufkreuzen. Also nahm ich mir ein Zimmer im Dorf. Als ich am naechsten Morgen zum icipe ging haette ich nicht gedacht, dass irgend jemand auf mich warten wuerde. Dr Khan, mein Betreuer war zur Zeit nicht vor Ort. Doch alle wussten schon von dem verueckten Schweizer, der mit dem Velo unterwegs nach Mbita war. Die Mitglieder der Forschungsgruppe begruessten mich herzlich und ich musste ihnen versprechen, eine Diashow von meiner Reise zu zeigen.

Die neachsten paar Tage nutzte ich um mir einen ueberblick zu verschaffen, ueber die verschiedenen Projekte die hier am Laufen sind. Ich konnte auch noch viel neues lernen ueber das Push-Pull Projekt. Das interessierte mich besonders, weil meine Arbeit hier im Zusammenhang damit steht. Es geht darum um eine Metode zur biologischen Bekaempfung des Stengelbohrers, einem Maisschaedling. Dabei werden verschiedene Pflanzen eingesetzt um die Insekten abzustossenbzw. vom Mais wegzulocken (genaueres: http://www.push-pull.net/).

Als Dr. Kahn zureck kam war ich erstaunt, wie viel von mir erwartet und mir zugetraut wird. Bis im Sommer soll ich mindestens zwei Experimente in Eigenregie durchfuehren und Wissenschaftliche Berichte schreiben, die unter meinem Namen publiziert werden sollen! Haette nicht gedacht, dass aus mir ein Forscher werden koennte aber bisher ist es ganz spannend, auch wenn diese Insekten nicht immer tun, was ich gerne moechten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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