Velotour von Simon Degelo

Zürich-Nairobi

Reiseberichte

4. Etappe

Qena, 10.1.2007

 

Nach einem etwas armseligen Silvester im lausigen Dahaber Nachtleben machte ich mich auf den Weg in die Berge zum Katharinenkloster. Auf meiner Karte war eine Nebenstrasse eingezeichnet, die direkt von Dahab dorthin fuehren sollte. Die wollte ich nehmen, sonst haette ich ein Stueck auf der selben Strasse wieder zurueckfahren muessen, auf der ich gekommen war. Ich wusste, dass die Strasse nicht sehr gut war. Die Einheimischen hatten mich alle gewarnt: Dafuer brauche man einen 4x4, mit dem "Agala" (Arab: Velo) sei das unmoeglich. Aber ihr kennt mich ja, es reizte mich um so mehr, es zu versuchen.

Vor Ort stellte sich heraus, dass die vermeindliche Strasse nur ein Wadi (ausgetrocknetes Bachbett ) war mit einer Fahrpiste. Sie war etwas sandig, aber meine Pneus griffen gut und so wagte ich es.

Die Landschaft war gewaltig. Das Tal war flankiert von Felsen, die sich zu kantigen Bergen auftuermten. Dazwischen verlief der Wadi, der anscheinend schon lange keine Wasser mehr gefuehrt hat. Nur spaerlich war er mit Wuestenvegetation bewachsen. Nur an wenigen Stellen gab es Quellen. Dort wurde dieses von den Beduinen benutzt, um ihre Kulturen zu Waessern und Kamele zu traenken.

Manchmal wurde der Sand so tief, dass meine Raeder einsanken und ich das Velo schieben musste.

Bald bewunderte ichdie atemberaubende Landschaft, bald Fluchte Ich ueber den Sand und meine Abenteuerlust.

Als die Sonne langsam sank, musste ich einsehen, dass es nicht in einem Tag bis zum Katharinenkloster reichen wuerde. Ich machte mich auf eine kalte Nacht gefasst - Hier oben kann es um diese Jahreszeit in der Nacht leicht -10C werden. Da stand ein Beduine am Weg. Er winkte mich herbei und lud mich gleich ein, in seinem Haus zu schlafen. Ich nahm dankend an. Bis zu seinem Haus waren es aber noch etwa 5 km. Also

schwang er sich hinten auf mein Gepaeck, wie auf ein Kamel, und ich fuhr ihn.

Unterwegs trafen wir noch einen befreundeten Beduinen an. Er hatte sein Lager bei einer Wasserstelle, wo er seine Kamele traenkte. Er machte ein Feuer und kochte Chai (Tee) fuer uns. Spaeter briet er ein Stueck Schafsfleich. Direkt im Feuer! Faradj, so hiess der Beduine, der mich eingeladen hatte, backte Fladenbrot dazu.

Es schmeckte koestlich! Ich haette nicht gedacht, dass man Fleich so gar kriegen koennte. Nur ab und zu hatte ich eine paar Sankoerner zwischen den Zaehnen.

Am naechsten Morgen verabschiedete ich mich herzlich von Faradj. Nun war es nicht mehr weit bis zum Kloster. Doch der Weg zog sich noch und ich war echt froh, als ich wieder festen Asphalt unter den Pneus hatte!

Das Kloster war dehr eindruecklich  und vollgestopft mit ortodoxem Kitsch. Das einmalige war aber die Moschee im Inneren des Klosters. Ja, ihr habt richtig gelesen! Eine Moschee in einem christlichen Kloster. Sie wurde gebaut, um das Kloster von arabischen Ueberfaellen zu schuetzen. Welcher Moslim wuerde schon eine Moschee angreifen ? 

Von St. Katherin fuhr ich an die Westkueste des Sinai. In diese Gegend verirrt sich kaum je ein Tourist. Das merkte ich daran, dass mir die Leute noch ausgelassener als sonst zuriefen und ich sogar am Polizeicheckpoint zum Chai eingeladen wurde.

Der Kueste entlang fuhr ich nach Sharm el Sheik. Eigentlichwolllte ich dort uebernachten. Doch als ich dort ankam, hatte ich von dem Gerummel und all den Touristen einen solchen Kulturschock, dass ich am selben Tag die Fahre ans Festland nahm.

Von Hurgadha ging es weiter ueber Safaga ins Landesinnere. Doch zuerst musste ich einen weiteren Checkpoint durchqueren. Die Aegypter scheinen Polizeicheckpoints zu lieben, oder halten sie es wirklich fuer ein wirksames Mittel gegen den Terrorismus? Auf jeden Fall gibt es in Aegypten keinen Tag, an dem ich nicht kontrolliert werde. Der Rekord liegt bei 5 Checkpoints innerhalb von 10 km. Dieses mal schien es komplizierter als sonst zu sein. Ich musste fast eine Stunde warten, bis ich die Erlaubnis hatte weiterzufahren.

Als es am Abend eindunkelte war ich noch mitten in der Wueste und so uebernachtete ich unter einem glasklaren Sternenhimmel und zaehlte die Sternschnuppen.

Jetzt bin ich in Qena am Nil. Ich fuehle mich seit einigen Tagen nicht so gut. Meine Verdauung scheint den einheimischen Bakterien nicht gewachsen. Ich habe bisher auch konsequent alles getan, wovon einem die Reisefuehrer abraten: Hahnenwasser getrunken, Ungekochtes Gemuese und Foul mit den Aegyptern aus einer

Pfanne gegessen.

 

Inzwischen geht es  schon viel besser und ich hoffe, dass ich morgen nach Luxor weiterfahren kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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