Reisebericht 8 / November 2003

Assalam Alaykum
Da sitzen wir wieder mal vor einer ganz alten Kiste und das in unserem nächsten Land: Pakistan!
Doch machen wir dort weiter wo wir unser letztes Rundmail geschrieben
haben.
Nach 5 wunderbaren Tagen Relaxen in Esfahan hat uns die Radellust
wieder ergriffen. Wir fahren gen Yazd. 300 km durch sehr Wüstenähnliche
Gebiete, die für das Auge nicht sehr befriedigend sind. In Yazd bleiben wir eine Nacht im Hotel um uns diese Stadt anzusehen. Es ist beeindruckend wie diese Stadt aufgebaut ist. Alle Gebäude der Altstadt sind aus Lehm gebaut. Auf den Dächern ragen grosse Kaminähnliche Gebilde, die den Wind auffangen und das
Haus mit frischer Luft kühlen. Oftmals sieht man Treppen, die 25 Meter in den Boden führen, wo das Wasser von den weit entfernten Bergen fliesst. Es ist beeindruckend zu sehen wie Menschen sich schon seit Hunderten von Jahren gegen die unglaubliche Hitze zu helfen wissen. Im Sommer sind Temperaturen von 45 Grad normal. Auch noch Mitte Oktober erreicht das  Thermometer am Tag noch angenehme 30 Grad.
In den weiteren Tagen ändert sich die Landschaft nicht all zu sehr, ausser
dass es immer mehr Wüste und immer weniger Schatten gibt. Unsere
Pausen können nicht mehr frei gelegt werden, da es teilweise 70 km lang
keine Hütte hat. Das heisst um 6 Uhr morgens aufstehen möglichst bald losfahren und bis 11 Uhr die entsprechende Distanz zurück zu legen. Nach 3 bis 4 Stunden Pause reicht es noch um ein wenig zu fahren und einen Schlafplatz zu suchen. Den finden wir immer. Ob in alten Häusern, unter der Strasse oder bei einer freundlichen iranischen Familie. Die Iraner sind teilweise erschreckt, wenn sie erfahren, dass wir in der Wüste schlafen. Dort gäbe es doch Hunde, Wölfe, Schlangen und Skorpione. Ausser Hunden haben wir nie etwas gesehen und nur einmal wurde ich in der Nacht von einem bellenden Hund geweckt. Da ich noch so viel Schlaf in den Augen hatte konnte ich ihn nicht finden und habe mich daher wieder schlafen gelegt. Am nächsten Morgen vermissten wir unsere feinen, süssen Brötchen, die unser Frühstück dargestellt hätten. Ein ganz übler Morgen, denn unser Kocher wollte den Diesel nicht entzünden (Was ist denn das
für Diesel, der nicht brennt? Kostete übrigens pro Liter 1.5m Rappen) was
hiess, dass es keinen Cay gibt.
Nun erreichen wir die Pistazienregion. Das sieht man an den Büschen am
Rande der Strasse, die nun etwas grösser und rötlich gefärbt sind.
Wir sind schon gespannt, wie viel wir wohl von diesen Zeugs geschenkt
bekommen. Und siehe da im nächsten Dorf schneit es schon das erste Kilo. Den Abend verbringen wir mit schälen und essen, da wir nicht mehr viel Packraum haben. Am nächsten Tag erreichen wir Rafsanjan, die Hauptstadt der Pistazien.
Beim Einkaufen treffen wir 2 Iraner die ausgezeichnet Englisch sprechen. Sie raten uns aufs heftigste ab durch die Wüste Kevir-e-Lut zu fahren, da es dort nur so von Kidnappern wimmle. Nach diesen etwas überzeichneten Ratschlägen wollen sie uns unbedingt noch einige Pistazien schenken. Da können wir natürlich nicht nein sagen und landeten innert kürze in der Villa eines Pistazien-Grosssgrundbesitzers. Wir dürfen mit des einen Handy in
die Schweiz anrufen und bekommen innert kürze alles mögliche aufgetischt. Die beiden, die uns eingeladen hatten studierten in den U.S.A. und der Besitzer der Villa lebte lange in Deutschland und spricht Deutsch. Zum Mittagessen wird uns iranischer Kebab serviert, den wir natürlich nicht zurück weisen können. So leidet man manchmal als Vegetarier, wenn man zu Gast ist. (Meine Verdauung litt in den nächste Tagen ebenfalls.) Nach dem Essen dürfen wir uns in der weitläufigen Villa entspannen. Dazu konnten wir deutsches Fernsehen geniessen, da es gewissen erlauchten Kreisen erlaubt ist eine Satellitenschüssel zu besitzen.
Es ist uns ein riesen Vergnügen eine amerikanische Christensendung zu sehen und fest zu stellen, dass das amerikanische Fernsehen mindestens so propagandistisch ist wie das iranische. Über den Iran wollen wir noch einen Bericht
schreiben, wie das von unserem lieben Freund Candik erbeten  wurde. Ein Lob auf den Namengeber unseres Kochers. Candik funktioniert prächtig. Er schläft nur selten:-).
Zum abschied bekommen wir nochmals 3 Kilo Pistazien, die uns zu einem
wahren Ess-Marathon treiben
Knapp 1/4 unseres Pistazienbeutels schaffen wir bis Bam, obwohl wir
jeden
Abend alles geben. In den drei Tagen, die wir bis dahin brauchten,
gab es allerdings nicht sehr viel zu sehen. in Kerman haben wir nochmals im
Hotel übernachtet, sind aber am nächsten Tag früh weiter, da wir damals
noch die ganze Strecke bis zur pakistanischen Grenze fahren wollten und unser Visa nur noch 10 Tage gültig war. Wir beschlossen aber auf dem Weg nach Bam, dass es für uns bedeutend gesünder sei erst mal ein paar Tage zu entspannen. Seit Esfahan hatten wir uns nämlich keine Pause mehr erlaubt. So konnten wir unsere heldenhafte Lut-Durchquerung wohl in den Kamin schreiben (oder in den Badgir,Windturm). Nach vier Tagen in der Touristenmetropole Bam, wo wir eine 2000 Jahre alte und immer noch gut erhaltene Stadtfestung besichtigten, wollten wir aber doch noch ein Stück in die richtige Wüste fahren. Zumindest bis wir die Sanddünen erreicht hätten. Nach 2 Tagen gemütlichem Fahren erreichten wir diese dann auch. Eigentlich wollten wir uns dann hinter die Dünen verkriechen und eine Nacht unter dem Wüstenhimmel schlafen. Doch der sandsturmartige
Wind hätte das zu einer ungemütlichen Angelegenheit gemacht, und so
liessen wir uns von einem Lastwagen nach Zahedan bringen. Dort verbrachten wir nochmals zwei Tage um uns die Stadt anzusehen und Briefe abzuschicken. Dann machten wir uns auf den Weg zur Grenze, liessen uns aber wieder von einem Lastwagen
mitnehmen. Die letzten 10km bis zur Grenze fuhren wir dann wieder
selber. Um halb vier kamen wir vor einem geschlossenen Tor an, wo es sich schon ein Paar Lastwagenfahrer gemütlich gemacht haben. In unserem Führer stand etwas von Öffnungszeiten bis 17 Uhr. Aber der Ramadan hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein Glück, dass wir extra einen Tag früher zur Grenze vorgerückt sind. Die Lastwagenfahrer waren schon am Vorbereiten des Abendessens, der einzigen Mahlzeit ihres Tages. Sie haben grosszügig mit uns geteilt, aber auch so haben wir nicht alles aufessen können. Nachdem alle vollgegessen
waren, haben sie sich erst richtig ans Kochen gemacht. Da sie den
ganzen Tag nicht essen und trinken dürfen, essen sie in der Nacht das Doppelte.
Am nächsten Morgen konnten wir ohne Probleme die Grenze überqueren
und kamen ins trostlose Schmugglernest Taftan, wo die betrügerischen
Geldwechsler und Busticketverkäufer schon auf uns warteten. Nach einer
14-stuendigen Busfahrt, die wahrscheinlich um vieles ermüdender war, als 8-10 Tage durchs Nichts zu radeln, kamen wir um halb vier Uhr morgens in Quetta (Kwetta) an. Hier waren schon (oder immer noch?) sehr viele Leute auf den Beinen. Wir fragten uns was die mitten in der Nacht alle machen. Als wir an einer improvisierten Frittierbude vorbeikamen, wurde uns alles klar: Die essen! Kein Wunder gleich geht die Sonne auf und dann dauert es wieder 12 Stunden, bis es was zu beissen gibt.
Nightlife starts with Ramadan!
Die Menschen hier sprechen bedeutend besser englisch als der
Durchschnitt im Iran. Pakistan war ja mit Indien zusammen über 50jahre lang
Englische Kolonie. Wir wurden bis jetzt sehr anständig behandelt  und
geniessen diesen Einstieg in den Indischen Subkontinent sehr.
Auf den Strassen ist die Action am laufen; jeder Verkehrsteilnehmer
holt das beste heraus. Fahrräder, Autorikschas, Esel- und Pferdewagen,
verschiedenste Autos und Busse wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Verziert wie Weihnachtsbäume und wackelig wie Nichts in der Schweiz rasen sie Vollgas mit 40km/h durch die Gegend.
Quetta ist eine sehr Lebendige Stadt, im Basaar kann man unmöglich
die Übersicht behalten, und auch das Strassenüberqueren bereitet noch
Mühe, da hier Linksverkehr herrscht. Aber alles in allem ist es geil
hier. Jetzt geht es über den Bolanpass, dann dem Indus entlang hoch nach
 Multan und dann weiter nach Lahore. Nach ca. einem Monat werden wir
dieses Land wieder Verlassen um uns ins sagenumwobene indische Chaos zu stürzen. Ich glaube zwar nicht, dass es noch viel heftiger werden kann, aber wir werden sehen...

Falls uns irgend Jemand schreiben möchte, worüber wir uns immer noch
sehr freuen würden, Wir gehen das nächste mal in Amritsar und danach
in Katmandu unseren Briefkasten Leeren.

einfach KAMM oder BEERMANN
dann Poste restante
        Amritsar
        INDIA
auf einen Umschlag oder noch besser auf ein Paket schreiben, Inhalt
einfügen und dann zur Post bringen, Portemonnaie nicht vergessen
;-{)
Auch jedes Mail bringt uns Freude und eine Ahnung, was in der Heimat
geht.

Viele Grüsse und Küsse

von Gregor und Beda
 
Die neusten Bilder aus Pakistan..
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  zurück