Reisebericht 7 / Oktober 2003

Hello everybody

Nun haben wir Esfahan erreicht und somit auf unserer selbst erstellten
Notenskala eine 4.5 erradelt. Eine lange Strecke seit dem Genügend in
Istanbul. Mehr als nochmal soviel wie Basel-Istanbul. In Tabriz standen wir das erste mal vor einem richtigen Problem:
wir haben fest damit gerechnet mit der Visacard Geld von der Bank zu erhalten. Wie es aber scheint, bezahlen die amerikanischen Kreditkartenfirmen ihre Schulden bei den Iranischen Banken nicht mehr!
Aufgrund irgend eines beknackten Embargos im Zusammenhang mit dem
Juedisch-Islamistischen Religionskrieg ( 11. September...). Was soll's,
wir bekamen jedoch kein Geld in Tabriz. Aber für jedes Problem gibt es
eine Lösung. Familie Beermann und Swift money transfer sei Dank
konnten wir hier nach 2 Wochen Sparkurs wieder Reichtum Schöpfen. (Wir
lebten 2 Wochen mit 50 Franken und zwar prächtig.)
Die Iraner haben auch ihren Teil dazu beigetragen, dass wir kaum Geld
benötigten. Von Tabriz an wurden wir täglich  mit Früchten und
Gemüse beschenkt.
Nach vier Tagen erreichten wir eine kleine Stadt namens Buin Zahra
(Bu^In Zaechrah ausgesprochen), wo wir Brot kaufen wollten. Sobald wir
anhielten, bildete sich, wie immer, eine Menschenmenge um uns, die uns
alle behilflich sein wollen. (Menschenmengen sind hier ausschliesslich
für Männer reserviert). Ein Mann, gleich alt wie wir, sprach ein
bisschen Englisch und zeigte uns eine Bäckerei. Während Gregor drin
war und 10 Fladen für die nächsten 2 Tage kaufte, lud Majid uns zum
Mittagessen ein. Wir nahmen dankend an, nicht ahnend, was noch auf uns
zukommen würde. Nach dem Essen war klar, dass wir noch über Nacht
bleiben müssten, und am Abend wurden wir noch überzeugt, am folgenden
Abend an der Hochzeit seines Onkels teilzunehmen.
Wir waren sehr gespannt auf diese Hochzeit, doch gleichzeitig war uns
die iranische Gastfreundschaft fast ein wenig unangenehm: Wenn eine
persische Familie einen Gast aus einem fremden Land hat, so zählt
eigentlich nichts anderes mehr, als das Wohl des Gastes. Die Tradition
gebietet nicht, was man hat, mit Gästen zu teilen, sondern gleich
alles herzugeben. Nachdem wir anfangs etwas abwehrend auf diese
übermässige Freundlichkeit reagierten, lernten wir mit der Zeit, uns
ins Schicksal zu fügen, und alle Gaben dankend anzunehmen.
Während des ersten Tages lernten wir auch den besten Freund Majids,
Hamed kennen, der hier in Isfahan studiert. Ein sehr angenehmer
Geselle.
Nach dem Frühstück gingen wir mit Majid Ins Haus des Onkels, weil er
bei den Vorbereitungen für das Fest mithelfen musste. Wir wurden in
den Festsaal im Keller des sehr luxuriösen Hauses verfrachtet, wo uns
ohne Unterlass Tee serviert wurde. Majid hatte auch nicht sehr viel zu
tun, denn die meiste Arbeit für so ein Fest wird von den Frauen
übernommen. Es ist "Frauenarbeit" die Poulets zu Putzen  und den Salat
zu waschen, sowie den Reis zu Kochen u.s.w. Die Männer mussten
lediglich die Schweren Arbeiten machen, und sie durften die Poulets in
einer Riesenpfanne in ca. 10kilo geschmolzenem Fett Frittieren. Aber
Majid ist noch gar kein richtiger Mann, also hatte er nicht wirklich
etwas zu tun. Um hier zu heiraten braucht man ein Haus ein Auto und
einen Beruf. Die Frau wird noch immer von den Eltern Bestimmt.
Am Abend, als die ersten Gäste kommen beginnt auch die Musik zu
Spielen: Ein Trommler mit einer beidseitig bespannten Trommel und ein
Floeter mit einer mini-Oboe geben Ihr Bestes. Dies ist hier seit 3000
Jahren die Traditionelle Hochzeitsmusik. Die Männer und einige alte
Frauen tanzen "Halai" den dazugehörigen traditionellen Tanz. Diese
Musik begleitet uns ein gutes Stück durch den Abend, und, da der
Floeter die Zirkuläratmung beherrscht, auch beinahe ohne
Unterbrechung. Nach einer Weile will es die Tradition so, dass die
Männer den Damad (Braeutigam) in den Hamam (Öffentliches Bad)
Begleiten, wo er seinen Hochzeitsanzug anlegt. Danach wieder zurück
wobei dieser Zug begleitet wird von Männern mit Stöcken, mit denen sie
ein sehr kraftvolles Fechtspiel ausüben. Danach fährt der Damad ans
Fest der Braut, um dort zu Abend zu essen, während seine Gäste auch
zu Abend essen. Wir trafen 2 Englischlehrer, die die Iranische
Regierung ziemlich satt haben, heimlich Alkohol trinken und sich in
die Zeit der Miniröcke zurücksehnen. Nach dem Essen trat eine
vielgerühmte, aber in Realität ziemlich schlechte "Pop Band" auf. 1
Keyboard mit "Gesang" und 1 Schlagzeug. Na Ja es war Laut und nun
tanzten auch die jüngeren den Halai allerdings mit einem Anflug
"Michael Jackson". Nach etwa 2 Stunden kam der Damad zurück, immer noch ohne Braut und eine Reihe Geldgebzeremonien nahmen ihren Lauf. Er
musste Tanzen, während ihm die Hochzeitsgäste Einen 10'000er(1,60
Franken) nach dem anderen in den Mund steckten. er gab sie seinem
Bruder, der sie in eine Plastiktüte steckte. Schlussendlich Die
Hennazeremonie: Er steht, flankiert von seinen Brüdern, und alle
kommen nochmals nach vorne um Ihm Geld zu geben. Danach werden ihm die Fingerspitzen Rot gefärbt. Bei der Hennazeremonie sind erstmals Die
Frauen, die vorher ihr eigenes Fest im oberen Stock hatten auch
anwesend. Sie kommen zum Teil sogar nach vorn, um dem Damad Unter
Küsschen Küsschen (!) Geld zu überreichen. Ob Die Festgesellschaft
der Familie des Bräutigams die Braut je zu Gesicht bekam wissen wir
nicht, da wir um eins nach Hause gingen. Was Das Brautpaar nach dem
Fest macht wenn der Mann sie mit dem Wagen abgeholt hat, bezeichnete
Majid übrigens mit "they go for a Picknick'...
Noch ein kleiner Zusatz zur Tanzmusik. Nach 10 minütigem gespanntem
Zuschauen war es von Nöten auch mit zu Tanzen. Das wurde uns rigoros
von den anwesenden Gästen klar gemacht. Nach einigen Kreisen waren mir
die Tanzschritte im Kopf, doch sogleich wechselt der Rhythmus und ein
neuer Tanz beginnt. Einmal wurde mir von einem begeisterten Zuschauer
Geld ins Maul gesteckt, das macht man hier, und ich durfte es dem
Musiker in die Brusttasche stecken. Unsere Tanzkünste wurden sehr
gelobt, doch meinen es die Leute ehrlich oder ist es Gastfreundschaft?
Jetzt aber weiter im Text: Von Buin Zahra muss man das Gebirge gen
Süden überqueren, das den Iran in den `kalten` und warmen Teil
unterteilt. Kalt ist im Moment am Tag 25 Grad und in der Nacht kalt und
warm heisst, dass es am Mittag echt heiss ist: 35 Grad. Könnt ihr euch
das Vorstellen? Am liebsten würde man die langen Hosen ausziehen, die
im Iran Pflicht sind. Von den langen Aermeln haben wir uns in Tabriz
getrennt, wir sind ja keine Moslems.
Jetzt, da wir nach Süden abstechen, kommt der berüchtigte West-Wind.
Wir haben hart mit dem Seitenwind zu kämpfen, der einem auf der
schmalen Strasse oftmals zu heftigen Schlenkern verleitet. Da die
Lastwagenfahrer nichts kennen kann das sehr gefährlich werden. Hier
wird ohne bremsen 30 cm neben meinem Lenker überholt und dazu wird
noch die Hupe oder besser die Sirene gedrückt, so dass einem fast die
Ohren abfallen.
Auf den breiteren Strassen, die uns die nächsten Tage beglücken,
haben wir sogar Rückenwind und so fliegen wir gen Esfahan. Für
Anhänger der modernen Modefarben ein Genuss sondergleichen. Die
Landschaft mischt wunderbar jegliche Brauntöne mit grau, dazu
vereinzelte weisse und sonstige dreckige Flecken (das ist der Müll,
der hier Zwischengelagert wird bis er Verfault oder wegfliegt). Für
unsereins, das lieber grellere Farben hat, wie rot, gelb, blau oder
grün kommt der Rückenwind genau zur richtigen Zeit.
Nach 14 Tagen und 1000 km geht's in Esfahan als erstes zur Bank. Mit
herzklopfend betrete ich das Büro- und bin froh das ich nach 40 Minuten
Bürokratie 15 cm Geld in die Hand bekomme (Die grösste iranische
Note,1 Khomeini, hat einen Wert von 1.60 CHF). Wir fahren Richtung der
Wohnung von Hamed, mit Hilfe der arabisch geschrieben Adresse und
unzähligen Motorradfahrern, für die es das grösste ist uns zu
helfen. Schlussendlich schaffen wir es und werden herzlichst empfangen.
Wir leben in einer 2-Zimmmerwohnung mit 5 anderen Studenten zusammen.
Dies klappt ausgezeichnet, da das einzige in der Wohnung ein Teppich
ist. Darauf wird geschlafen, gegessen, gebetet, gecayt oder einfach
unterhalten. Einer, Pouriya, lernt seit einem Monat Deutsch und spricht
schon sehr gut. Jeden Tag lernt er 6 Stunden!
Am folgenden Tag gibt es einen Stadtrundgang. Wir sind sehr beeindruckt
von der Moschee Emam, etwas vom schönsten das ich je gesehen habe.
Wenn man einmal einen etwas ausgefallenen Städte- Urlaub machen will
empfehle ich Esfahan. Wunderschön, auch die alten Brücken haben uns
begeistert, obwohl wir normalerweise die Touristenorte eher Meiden und
uns die unzähligen Attraktionen, die jedes Dorf hat auf den Keks
gehen.
So langsam flimmert mir die Birne. Weitere Infos gibt's in Quetta,
Inshalla ( wenn Gott es so will) so in 3 Wochen.
Bis dahin wünschen wir euch alles Gute, danken für die vielen Mails
und hoffen es geht euch gut . Es lieben euch (hier werden wir von allen
geliebt und das wird uns auch so gesagt) 
Gregor und Beda

 

 

 

 

 

 

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