Reisebericht 4 (14. August 2003)


 Hello Friends
  
Wir stecken jetzt in Istanbul und sind sozusagen auf dem Sprung in
den
Orient.
 
Seit Sofia ist eigentlich recht wenig Aussergewöhnliches passiert.
Gregor hatte Beinprobleme vom vielen Spazieren in der Stadt und so
sind
wir eher langsam vorangekommen. aber mit der Zeit hat sich unser
Tagespensum wieder auf etwa 80 Km eingependelt.
 
In Bulgarien hatten wir ein Erlebnis, das noch erzählenswert ist.
Nach einem Tag des Gegenwindes suchten wir uns abgekämpft einen
Platz
zum Zelten. Einem Flüsschen entlang hofften wir etwas zu finden, aber
als der Weg fertig war sahen wir nur leere Flaschen und anderen Müll
im Wasser. Ich wollte beim Haus Fragen ob wir im Garten Zelten dürften,
kam aber nicht so weit, denn Iwan hat uns sofort klargemacht, dass
wir in seinem Haus schlafen würden. Er bat uns zu setzen und
brachte uns Salat und selbst gebrannten Schnaps. fünf stunden und 2
Flaschen später wurden wir ins Ehebett der Familie verfrachtet.
Gastfreundschaft wie man sie in der Schweiz nicht (mehr) kennt.
Dann ab in Richtung Türkei. Vor der Grenze haben wir uns, zwecks Dusche
nochmal ein Hotel genommen. Dort habe ich mein vorläufig letztes
Stück Fleisch gegessen. Ich konnte es nicht länger als drei Stunden
in meinem Körper behalten. Das war der Anfang unserer bis heute
anhaltenden Verdauungsprobleme.
Am Grenzübergang muss man mindestens 5-10 Kontroll- Stempel- und
andere unnötige Posten durchfahren und etwa dreimal unter einem
Portal mit der Aufschrift <Türkiye> durch.
In diesem Land wird einem Permanent Çay angeboten, Schwarztee in
kleinen Gläsern. Wir konnten aber nicht jedesmal anhalten, wenn uns
dieses Wort zugeflogen ist, sonst wären wir heute noch nicht hier.
Von der Einfahrt in Istanbul haben wir nur schlechtes gehört und
gelesen. Trotzdem hat sie uns als Velokuriere sehr grossen Spass
gemacht. die Leute Interessieren sich hier nicht gross für
Verkehrsregeln. Zum Beispiel war ein Unfall auf der dreispurigen
Strasse. Sofort hatte die Strasse 4-5 Spuren, weil die Autos auf den
Pannenstreifen ausgewichen sind um so besser Drängeln zu können.
Unser Veloweg war nun also zu und wir mussten uns unseren eigenen
Weg suchen Im Slalom zwischen schrägstehenden und langsamfahrenden
Lastis und Autos haben wir uns ein Rennen mit einem Polizeimotorrad
geliefert.
Als der Unfall hinter uns war hatten wir immer noch etwa 10 Km bis
in die Innerstadt, obwohl wir schon seit etwa 30 km in bewohntem
Gebiet waren.
Nun versuchen wir euch unser neues Leben als Reisende etwas näher
zu bringen. Wir haben auch einen gewissen
Tagesablauf,
der aber dauernd von den äusseren Einflüssen verändert wird.
Tagwache war bis jetzt der Moment in dem wir aufgewacht sind.
Zwischen 7 und 10 Uhr morgens im Zelt und 14 im Hotel(ab
morgen wollen wir das ändern und jeden Tag um 8 aufstehen). Nach einer
einstündigen Frühstück-,  Abbau- und Packphase geht es langsam
wieder weiter. Morgens ist die schlimmste Zeit für uns, wie ihr
vielleicht schon aus Erfahrung wisst. Es ist auch der Zeitpunkt, den wir
zum Streiten nutzen. Nach 10 km auf dem Velo ist die erste Pause
angesagt um Cafe, Tee oder Cola Turka zu trinken, ansonsten werden wir
nie ansprechbar. Danach fahren wir ca.3 Stunden und kommen meistens gut
vorwärts so zwischen 40 und 65 km. In der guten Mittagspause essen
wir dicke Sandwichs gefüllt mit: Käse, frischen Tomaten,
frischen Gurken, Ketchup, Mayonnaise (die
Montenegrinische ist traumhaft) und das ganze gewürzt mit
einheimischen Gewürzen. Wir lesen meistens
nach dem essen noch ein zwei Stunden oder schreiben Tagebuch. . Das
schreiben ist wichtig ansonsten vergessen wir alles wieder und auch
hilft es mir, mich mit meinem Tagebuch zu unterhalten. Nach weiteren
2-3 Stunden Fahrzeit müssen wir eine Schlafgelegenheit suchen. Das
war noch nie ein Problem, doch ein Problem hatte ich (ich bin im Moment
Gregor) mal in der Nacht. Wir waren nahe eines groessern Flusses in
Montenegro und es windete extrem stark. Die Zeltstangen
wurden so gebogen, dass sie teilweise meinen Rücken berührten.
Ich konnte fast nicht schlafen und entschied mich draussen ein
windstilles Plätzchen zu suchen. Leise
legte ich die Matte raus, das Kissen und den Schlafsack drauf und
schloss wieder das Aussenzelt, ganz vorsichtig, da der Reissverschluss
teilweise klemmt. Als ich mich wieder umdrehe liegt nichts mehr neben
mir. Ich renne in kompletter Nacktheit dem Wind nach und finde schnell
das Kissen und den Schlafsack wieder. Doch die Matte finde ich nicht.
Nach 20 Minuten gehe ich zum Zelt zurück, hole eine Lampe und ziehe
mir Sandalen an. Ich suche und suche, wate durch den Fluss, leuchte mit
der kleinen Velolampe in jeden Busch (alles zusammen so 1 1/2 Stunden).
Beim Zurücklaufen störe ich noch ein junges Pärchen, die den
abgelegenen Ort mit ihrem Auto als intimen Ort ansehen. Die müssen
sich auch gefragt haben: Ein nackter junger Mann mit kleiner
Taschenlampe, der in jeden Busch leuchtet. Ich musste mich zum Schlafen
zwingen und mit den ersten Sonnenstrahlen fand ich zu meiner Rettung
nach 2 Minuten meine liebe Term-A-Rest Matte wieder. Doch ich bin
Abgeschweift vom ersten Thema. Zu unserem Tagesablauf ist zu sagen,
wenn wir fahren sind wir sehr schnell. Doch in den Pausen sind wir sehr
langsam. Auch sind die Pausen und das Ausschlafen immer häufiger
geworden. So haben wir in den ersten 12 Tagen 1000 km
inklusive der Alpen zurückgelegt. Für die letzten 1000 km brauchten
wir eher 20 Tage. Ab Morgen geht’s wieder früher los, wir sind ja dann
auch in Asien, und das ist schliesslich das Morgenland. Gute
Begründung, oder? Manchmal plagt uns auch das Heimweh nach Basel und
euch allen. Wir sind halt immer zu zweit und teilweise gehen uns die
Gesprächsthemen aus, oder wir haben Meinungsverschiedenheiten. Diese
entstehen oftmals durch Gespräche über geografische, historische oder
sonstige Wissensthemen. Wir dachten da könntet ihr uns vielleicht
helfen:

Fragen an bekannte Wissende
 
 -Ob und wenn wieso schneiden sich zwei Parallelen in der
Unendlichkeit?
 -Ist ein Körper mit runden Linien und drei rechten Winkeln ein
Dreieck?
 -Werden Plumpsklotanks geleert oder nicht? Wenn nicht, was ist wenn
sie voll sind?
 - Wie funktioniert Ebbe und Flut? (Wir bitten um eine detaillierte
Erklärung)
 -Bekommen die UN- und KFOR- Truppen im Kosovo das Benzin umsonst? Wenn
Ja hat das etwas mit dem Irak zu tun?
 -Wo in Spanien ist (die?) Extremadura?
 -Wieso ist Hannibal nicht in Rom einmarschiert?
 -Wurde Achilles in eine Sauce oder über ein Feuer gehalten?

 Das war’s mal vorläufig mit den Fragen wir freuen uns
 über
 alle Antworten und auch über ungebildete Mails.
 Bis bald einmal wieder und eine schöne Zeit
 wünschen euch Beda und Gregor
 
 P.S. Falls ihr uns Briefe schreiben wollt könnt
 ihr
 gerne folgende Städte anschreiben: Wir gehen ca. am 19.
 September
 in Dogubayazit, Tuerkei und am 15 November in
 Quetta,
 Pakistan aufs Postamt. Bitte nur den Nachnamen und Poste
 restante
 vermerken. Wir freuen uns über jede Zeile. Es kann
 natürlich
 nicht garantiert werden, dass wir es erhalten,
 hier in Istanbul ist die Post von Dave problemlos angekommen,
 Messi Laurin, du Daffel mir haen di gaern. 10 Fetti
 Schmuetz und 29 Kniffs in dini geili Wade.
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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