Reisebericht 2/3 (2. August 2003)

 Seid gegrüsst meine Lieben

 (Scheisse, schon wieder keine Vokale mit
 Punkten)
 Wir sind seit gestern in Sofia und es geht uns prächtig. Wir sind
 beide
 gesund, das Velo hatte keine weiteren Probleme, alles ist rot nur der
 Cappuccino
 hat keinen Schaum mehr! Doch war es ein sehr langer, anstrengender,
 aber
 auch sehr erlebnisreicher Weg der uns in diese Grossstadt geführt
 hat. Ich
 schreibe dort weiter wo unser letztes, und zugleich erstes, Mail
 geendet hat. In
 Dubrovnik, Kroatien: Nach einer Nacht in Dubrovnik, einer alten Stadt
 mit
 einer fetten Burg und Touristen beginnen wir wieder zu stuehle. Es
 sind nur
 noch wenige km, so 40, und wir kommen gut voran. Wir sehen schon das
 Schild der
 montenegrinischen Grenze, als wir von zwei kroatischen Polizisten,
 mit ihrer
 geliebten Stopp-Kelle, gestoppt werden. Wir erzählen ihnen von
 unserer Reise
 und sie sind fasziniert und machen Scherze. Trotzdem wollen sie eine
 Routinekontrolle durchführen, sprich: Wir müssen all unsere Taschen
 auspacken und
 jedes Stück erklären. Plötzlich finden sie in Bedas Huefttaeschli
 die
 hooemopatischen S.O.S. Kueggeli und sind schockiert. Ich zeige ihnen
 unsere
 hooemopatische Apotheke um zu zeigen, dass es Medikamente seien, doch
 sie reden
 nur noch von Heroin, Kokain und LSD. Auf unsere Erklärung, man
 müsse 3-5
 Kueggeli nehmen, wenn man z.B. Kopfschmerzen hat, lachen sie sich
 schief. Sie
 finden auch noch unsere schulmedizinische Apotheke, mit Spritzen drin
 und alles
 ist klar für sie. Wir müssen mit unseren Velos wieder den Berg
 runter
 fahren immer den Bullen nach. 7 km. Dort werden wir abermals
 befragt, auch
 angeschrieen und wahrscheinlich ist es besser das wir Kroatisch nicht
 verstehen.
 Wir werden nun ins Polizeiauto verfrachtet, ohne dass man uns sagt
 wohin. Auf
 Fragen gibt’s Geschrei als Antwort. In der nächsten Stadt das selbe
 Theater,
 bis sie Lisbeth, unsere Doktorin, anrufen. Auf einen Schlag ist alles
 wieder
 ok. Doch kein Wort von Entschuldigung, eher sind sie muff, dass sie
 nichts
 gefunden haben. Also geht’s zurück zu den Bikes, mit neuen
 Polizisten. Sie
 fahren unangeschnallt mit 140kmh auf einer schlechten Landstrasse,
 auf der 80
 erlaubt ist. Kein Wunder hat es an den kroatischen Strassen all 5 km
 ein Kreuz
 von einem Verkehrstoten. Verkehr ist ihnen egal, aber Drogen, uhh das
 ist aber
 böse, da können ja die Leute sterben.
 So sind wir 5h später wieder am selben Ort und kommen problemlos
 nach
 Montenegro rein. Wir lernen noch zwei Sloweninen kennen, die auch mit
 dem Velo
 unterwegs sind und sie empfehlen uns Budva.
 Budva ist DER Touristenort von Montenegro. Ich habe noch nie soviel
 Touristen an einem Ort gesehen und die laute Kommerzmusik aus den
 90er Jahren ist
 auch nicht meine liebste. Wir suchen verzweifelt einen Schlafplatz
 und lernen
 zum Glück eine oestereichische Familie kennen die uns eine Höhle
 direkt am
 Strand empfiehlt. Unsere Rettung. Wir können wieder einmal baden und
 sogar
 eine Dusche hat es, erst noch mit fettem Strahl. Ansonsten eine
 Seltenheit.
 Dummerweise werden wir am nächsten Morgen um 5.30 vom Strandchef
 vertrieben, so
 dass wir uns am nächsten Strand auf die Liegen flexen müssen und
 dort
 nochmals weiterschlafen. Um 8 kommt Markus mit seinen
 Söhnen und bringt
 uns Frühstück. Ein wunderbarer Morgen mit zusätzlichem Meerbad.
 Danke
 Markus und liebe Grüsse an Jakob und Phillipp.

 Sofia ist eine Superstadt. Teilweise zwar sehr arm und zerfallen,
 dafür
 unglaublich günstig. Im Resti kostet Bier umgerechnet 1.- und ein
 Cappuccino
 .-70. Es hat viele Bettler und auch sehr viele zerfallene Menschen.
 Gestern
 sahen wir z.B. einen der von einer Brücke springen wollte und es hat
 darunter
 noch viel weniger Wasser als bei euch der Rhein. Doch kamen sofort 10
 Andere
 und haben ihn wieder zurück gezerrt.
 Doch nun weiter im Text! Wo bin ich gestern stehen geblieben? Ah ja
 in
 Budva.
 Nach nun ca. 800 km der Adriaküste entlang geht es abermals in die
 Berge.
 Wir sind es uns nicht mehr so gewohnt. Die 800 Höhenmeter werden zur
 Qual. Es
 ist scheissen heiss und wir spüren noch das Bier vom Vorabend, doch
 irgendwann ist man immer oben, wie uns die Krksche Formel immer
 wieder beweisst.
 In Podgorica, der Hauptstadt der Provinz Montenegro (Jugoslawien
 heisst
 jetzt Serbien und Montenegro), warnen uns Anwohner vor dem Kosovo. So
 ungefähr:
 Was ihr fahrt durch den Kosovo? Dort sind die Menschen böse, so bum,
 bum
 (dazu wird ein imaginäres Gewähr in ihren Händen geschwungen). Wir
 sind etwas verunsichert, lassen uns aber nicht von unserem Weg
abbringen. Durch
 die
 wunderschönen montenegrinischen Berge fahren wir auf Nebenstrassen
 gen Kosovo.
 Eine Nebenstrasse ist eine Spur für beide Richtungen und ist die 3
 grösste
 Strasse auf der Karte. Dafür fast unbefahren, die Leute grüssen
 einem
 herzlich und wir werden sogar einmal um 11 Uhr Morgens auf einen
 Schnaps
 eingeladen.
 Der Grenzübergang zum Kosovo ist auf ca. 1500 M. ü. M. doch treffen
 wir
 zum ersten mal freundliche Zöllner. Sie winken uns nach vorne
 unterhalten sich
 mit uns und geben uns noch Tips. Nach einer wunderbaren Abfahrt nach
 Pec
 halten wir bei einem alten, verfallenen Veloladen. Sofort kommen die
 Bewohner
 und fragen uns ob wir etwas trinken wollen. Wir nehmen die Einladung
 dankend
 an, denn es ist ca. 35 Grad warm. Sie wollen uns unbedingt noch zum
 Essen
 einladen, so bekommen wir frische Tomaten und Gurken aus dem Garten
 und sogar
 Mayoneza, eines unserer Basisernaehrungsstoffe, steht auf dem Tisch.
 So geht das weiter im Kosovo. Wir werden eingeladen, die Menschen sind
 extrem
 offen, also nichts von Bum, Bum. Doch sagen die Kosovaren dieses Bum,
 Bum-
 Sprüchlein über die Serben. Ein riesen Hass ist vorhanden in dieser
 Region.
 Doch woher kommt dieser Hass? Natürlich vom Krieg. Der
 Kosovo ist
 immer noch sehr zerstört und man sagt uns das sei nichts im
 Vergleich zu
 1999, daher kann ich den Hass verstehen. Aber ich denke das Ganze ist
 viel
 tiefgründiger und ich muss mich noch mehr damit befassen als dass
 ich mich
 schriftlich darüber auslassen kann.
 Die Serben sind nicht mehr so gastfreundlich, doch gibt es auch hier
 unglaublich nette Menschen. So werden wir 2 Nächte von Dejan und
 seiner Familie
 beherbergt. Man behandelt uns wie Könige.
 Oh ich habe etwas völlig vergessen. Unseren Hund. Wir haben im
 Kosovo einen
 kleinen Hund, ca. 1 Monat alt von der Strasse aufgelesen. Er wolle
 unbedingt
 auf der Hauptstrasse spazieren und war nicht davon abzubringen, so
 nahmen
 wir ihn halt mit. Zuerst fuhr er in einer Kartonkiste mit, dann haben
 wir
 einen Wäschekorb bei Beda aufs Velo gebastelt (vorne) und oftmals
 musste er
 rennen. Denn er muss ja trainieren für nach Katmandu. Wir tauften
 ihn Chiller,
 da er immer nur Schlafen und liegen wollte. Brav hiess bei uns Jaes
(jaese Chiller),
 Platz
 flex und Pfui Scheisse. Doch leider wurde er uns, nach nur 9 Tagen zu
 dritt, von
 den bulgarischen Zöllnern abgenommen, da er keine Dokumente hat.
 Sehr
 schade, wir mochten ihn sehr, obwohl wir zuvor nie Hunde mochten.
 Bulgarien ist wirklich das Armenhaus Europas. Die Häuser sind
 oftmals
 kapput es hat Unmengen von alten Fabrikhallen und wie gesagt hat es
 unglaublich
 viele arme Menschen.
 Es gäbe noch so viel zu berichten, wie zum Beispiel über die KFOR.
 Es hat
 im Kosovo fast mehr Kfor und UN-Wagen wie sonstige Autos, doch ich
 mag nicht
 mehr schreiben.  
Viele Grüsse von Gregor und auch von Beda, der die ganze Zeit mit
seiner nachgereisten Freundin beschäftigt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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