Reisebericht 12   1. März 2004

 

Liebe Leute

Endlich kommen wir dazu unser letztes Rundmail aus Asien zu schreiben. Es gibt so viel zu tun und zu sehen hier in Katmandu und im Tal, so dass ihr alle lange warten musstet. Doch alles Warten hat sein Ende so wie bald
auch unsere Reise.  Weiter in Butwal: Die Strasse von Butwal nach Pokhara ist nie flach. Das ist ziemlich hart, da wir seit dem Norden von Pakistan keine Erhöhung mehr unter unsere Räder bekamen. Doch die Landschaft entschädigt alle Anstrengung und auf dem Weg nach Tansen werden uns frische Bananen und Ananas angeboten. Ich hoffe, dass ich nach diesem Gaumenschmaus die faden Bananen in der Schweiz noch zu schätzen weiss.
In Tansen sehen wir zum ersten mal die mächtigen Berge des Hamalayas. Es ist unglaublich wie gross und schön die Anapurnakette über den Wolken liegt.
Auf dem Dach des Hotels sehen wir sowohl den Sonnenuntergang wie auch den Aufgang. Es wird die beste Sicht bleiben, die wir vom Boden je bekommen. Nach weiteren 2 Tagen Velofahren erreichen wir Pokhara. Wir wollen so 4 Tage bleiben und dann weiter gehen. Doch die Holy Lodge gefällt uns so sehr, dass wir 13 Tage in Pokhara bleiben und noch einen 5-Tage Trek nach Panchase machen. In Pokhara gehen wir oft Segeln, spielen viel Tschungi (das Pendant zu einem Haecky, ausser dass es aus alten Veloschläuchen hergestellt wird), gehen an den See oder unterhalten uns mit den vielen anderen Reisenden, die auch in der selben Lodge wohnen. Wir unternehmen alles zusammen, so als würden wir uns schon lange kennen. Es ist wunderbar Leute aus vielen verschiedenen Ländern zu treffen und damit auch unser Englisch nochmals zu verbessern. Jeden Abend sitzen wir am Feuer und erzählen uns gegenseitig Erlebnisse und diskutieren über die verschiedenen Länder aus denen wir abstammen oder die wir bereist haben. Auf meinen Geburtstag bekomme ich eine grosse Geburtstagstorte und viele Petards. Es ist sehr gemütlich, ausser dass niemand von euch gekommen ist! Doch das lässt sich ja bald nachholen. (Danke für die vielen Geburtstagsmails).
Einen Tag nach meinem Geburtstag gönnen wir uns etwas wunderbares: Wir fliegen in einem Tandemgleitschirm durch das Tal. Aus der Luft ist der Anblick auf die Berge nochmals gigantischer. Auch ist es ein unglaubliches Gefühl so in der Luft zu sitzen und den Boden 100te Meter unter sich zu haben.

Jetzt hat wieder mal der Schreiber gewechselt , doch auch ich genoss die 45 Minuten als wären es Stunden. Am Schluss des Fluges gab’s noch Akrobatikeinlagen über dem See, bei denen es mir beinahe das Gesicht weggefetzt hat vor lauter Beschleunigungskraft. Das Leben war schön und gemütlich in Pokhara aber wir konnten ja nicht ewig bleiben, so wie die beiden Welschen, die schon seit drei Monaten dort waren oder die südfranzösische Althippiefrau, die noch weitere 4 Monate bleiben wird. Also sind wir eines Morgens nach fast drei Wochen los in Richtung Katmandu. Aber wir nehmen es gemütlich und haben für die letzten 200 Kilometer 4 Tage verwendet. Da es auf dem Weg keine grossen Dörfer gibt, stiegen wir nochmals in richtig billigen und schmuddeligen Lodges ab. Bei der Einfahrt nach Katmandu hatten wir grosses Glück. Es war ein Genereller Petrolstreik, der quasi das ganze Verkehrsnetz lahm legte, so dass wir die Strassen nur mit spielenden Kindern und hin und wieder einer Ambulanz teilen mussten. Der Streik war von der Kommunistischen Partei organisiert, nicht zu verwechseln mit den Maoisten, die soweit ich weiss keine offizielle Partei haben. Die Begründung war, dass die Petrolhändler das Petrol mit dem Diesel mischen und dann gar nichts mehr funktioniert. Am Abend unserer Ankunft haben wir uns ein richtig luxuriöses Abendessen in einem guten Restaurant in der Touristenzone Thamel gegönnt. Wir haben es sehr genossen, obwohl Pizza mit Wein Vorspeise und Dessert gegen einheimisches Essen gut 30 mal so teuer kommt.  Nach ein Paar Tagen relaxen hier haben wir realisiert, dass unser alter Freund Hugo, den wir schon in Istanbul getroffen hatten, nun auch in hier angekommen ist. Als wir uns trafen, haben wir beschlossen, zusammen eine Runde Im Tal von Katmandu zu machen, auf der wir viele schöne alte Tempel besichtigten und eine bizarre Opferzeremonie miterlebten, bei der pausenlos Ziegenbocks -und Hahnenblut floss. Es ist erstaunlich, wie nahe von der grossen Stadt wieder das gnadenlose Landleben von Nepal anfängt. Hier im Thamel ist alles erhältlich was man für Geld kaufen kann und 15 Kilometer entfernt gibt es kaum Geld und wenn man Glück hat ein Paar Biskuits im Gemischtwarenladen des Dorfes. Die Leute dort, vor allem die Frauen arbeiten so hart, dass man sich das in der Schweiz gar nicht mehr vorstellen kann.  Das war für uns ein wunderbarer Abschluss unseres Velofahrens in der weiten Welt. Nun sind es gerade noch drei Tage, bis wir zurück nach Paris fliegen. Von dort werden wir noch die restlichen 600 Kilometer bis in unsere Heimatstadt unter die Räder nehmen... Die Reise ist noch nicht zu Ende, ganz im Gegensatz zu unserem Geld. Wir hoffen die letzten 10 Tage der Reise trotzdem, oder erst recht zu geniessen und dafür sind wir zuversichtlich. Wir freuen euch bald zu sehen und wünschen euch noch viel vergnügen mit euren 0 Grad.

Liebste Grüsse Gregor und Beda

 

 
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