Velotour von Simon Degelo

Zürich-Nairobi

Reiseberichte

2. Etappe

 

Voller Aufregung betrat ich am 16. Dezember in Monfalcone (bei Trieste) das Schiff, welches mich nach

 

Afrika bringen sollte. Es war ein grosses, unfoermiges Frachtschiff mit der Eleganz eines Backsteins. Es sah eigentlich eher aus wie ein schwimmender Container, als wie ein Schiff. Geladen hatte es ueber 2000 fabrikneue welche Ironie. -   Fiats

Ausser mir war noch ein anderer Passagier an Board. Andreas will mit dem Motorrad von Israel aus den gesamten Nahen Osten bereisen. Das Schiff schob sich unendlich langsam ueber das Mittelmeer (max. Geschwindigkeit: 34 km/h) Umgeben nur vom bodenlosen Blau des Meeres und denm Gliztern der Wellen, das sich bis zum Horizont ausdehnte. Ich hatte massenhaft Zeit zum Lesen, Nachdenken und Nichts-Tun.

Das Schiff hielt immer wieder an verschiedenen Haefen, um etwas ein- oder auszuladen. In Pyraeus hatte ich Zeit um an Land zu gehen. Ich wiedersetzte mich dem Verbot des Kapitaens mit dem Velo zu gehen und stahl michmit dem Rad davon um Athen zu erkunden.

Es war weiter als ich gedacht haette, aber ich fand mich im Getummel der griechischen Strassen gut zurecht (Man darf einfach nicht erwarten, dass irgend jemand fuer einen Radfahrer bremst!).

Der Kapitaen hatte gesagt, ich soll um 18 Uhr wider auf dem Schiff sei. Also brach ich kurz nach 16 Uhr auf, damit sie Zeit sicher reicht. Irgenwie war der Rueckweg dann aber nicht so einfach zu finden, wie der nach Athen. Die einzigen Wegweiser (zumindest die, welche ich entziffern konnte) fuehrten allesamt auf die Autobahn. Als ich gar nicht mehr wusste, wo ich war, begann ich nach dem Weg zu Fragen. Die Leute konnten kaum glauben, dass ich echt mit dem Velo so weit fahren wollte, was mich nicht gerade zuversichtlich stimmte. Irgenwann fand ich schliesslich den Hafen, aber von unserem Schiff war dort weit und breit nichts zu sehen. Dock reihte sich an Dock, aber ueberal waren nur Faehren zu sehen. Inzwischen war es 18.00. Als ich die Hoffnung schon bald aufgegeben haette, fandich dann endlich den Gueterhafen und unser Schiff. Ich hatte schon geglaubt, es wuerde ohne mich fahren!

Am 22.  kamen wir endlich in Israel an. Mit drei Tagen Verspaetung und in Haifa statt Ashdod an. Dort wurde ich von der Schwester eines Freundes herzlich empfangen (danke Omer!).

Gestern stieg ich endlich wieder auf mein Velo. Aus lauter Uebermut legte ich die 180 km. nach Jerusalem in einem Stueck zuerueck. Ich hatte die Route durch das Jordantal gewaehlt. Eine gute Entscheidung! Die Strecke ist landschaftlich sehr schoen und wenig befahren. Ueberhapt ist der Verkehr hier weniger problematisch, als ich gedacht haette. Zwar sind die Strassen gut ausgebaut und die Autos fahren auch entsprechend schnell, aber am Rand hat es fast immer einen Pannenstreifen, der auch als Fahrbahn fuer Eselsgespanne, Traktore oder eben als Radweg dient. An das Hupen der Autofahrer gewoehnt man sich schnell. Es ist Zeichen der Freude oder des Erstaunens ueber diesen einsamen Radfahrer.

Vom Jordan sah ich aber kaum etwas. Er fuehrt im moment wenig Wasser, da es in der Gegend diesen Winter noch so gut wie gar nicht geregnet hat.

Heute habe ich mir Jerusalem angeschaut. Eine wunderschoene und verrueckte Stadt. Synagogen stehen neben Kirchen und Moscheen.

Ich bin auf der vollstaendig erhaltenen Stadtmauer rund um die Altstadt gelaufen.

Morgen werde ich nach Betlehem weiterziehen und von dort aus ans Tote Meer fahren.

Bisher gefaellt es mir sehr gut in Israel. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit und die Landschaft wunderschoen. Wenn sie nur nicht von so vielen Zaunen und Mauern durchschnitten waere...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  zurück